Naturpfad 1 - In der Schlucht von Frasassi Drucken

In der Schlucht von Frasassi

Eines der interessantesten geologischen Phänomene des Naturparks “Gola della Rossa e Frasassi” ist die einzigartige, im Laufe von Jahrtausenden vom Fluss Sentino ind das Kalkmassiv gegrabene Schlucht “Gola di Frasassi” aus der Jurazeit. Sie befindet sich in einer ausgedehnten Karstlandschaft mit einem der schönsten unterirdischen Höhlenkomplexe Europas und wir treffen hier auf unzählige Fossile (vor allem Ammoniten). Neben der berühmten und einmaligen “Grotta del Vento” (Windgrotte), die jährlich von hunderttausenden von Personen besichtigt wird, gibt es im Park weitere karsische Höhlen, wie die “Grotta della Beata Vergine” (Grotte der seligen Jungfrau, die früher “Caverna di Frasassi” hieß) und jene „di Mezzogiorno” (Mittagsgrotte), die auf bequemen, mitten in der Naturlandschaft gelegenen Wegen erreicht werden können. Auf dieser Wanderung können wir auch die Geschichts- und Kunstkenntnisse dieses wichtigen Territoriums zu vertiefen.
Der Ausflug sollte in den berühmten Tropfsteinhöhlen von Frasassi beginnen, dem größten bisher entdeckten unterirdischen Höhlenkomplex Europas.
• Tropfsteinhöhlen Frasassi

Danach steigen wir zu der “Caverna di Frasassi” hoch, die heute Kaverne der hl. Jungfrau genannt wird nach dem kleinen, von Papst Leo XII. erbauten Tempel.
• Wallfahrtskirche der Madonna und “Caverna di Frasassi”

Auf dem Rückweg nach San Vittore Terme kann man - zum Teil zu Fuß - dem Lauf des Baches Sentino folgen, und die Schwefelwasserquelle sehen, die das nahe gelegene Thermalbad bespeist.
In San Vittore angekommen, können wir nicht umhin, dem Museum im ehemaligen Kloster San Vittore einen Besuch abzustatten, um anhand von Plastiken und Fossilen – darunter ein riesiger und sehr seltener Ichthyosaurus - die Natur- und Geologiegeschichte der Schlucht einzusehen.
• Museum für Höhlenkunde, Paläontologie und Archäologie

Nach der Besichtigung des kleinen Ortes und einem kleinen Imbiss machen wir uns auf den Weg, um zu einem Aussichtspunkt zu gelangen, von dem aus man die ganze Schlucht überblickt. Dazu überqueren wir die alte Brücke über den Sentino und biegen links in den Wanderweg 139 ein, der nach einigen leichten Kehren in einen Pinienwald führt. Hier kreuzt unsere Straße den Wanderweg 117, dem wir nach links biegend, folgen. Nach einer kleinen Lichtung wird die Schotterstraße zum Pfad. Auf diesem überqueren wir einen Graben und weiter geht es auf der Mittellinie des östlichen Berghangs bis zu einem Saumpfad, der zur “Grotta di Mezzogiorno” (Mittagsgrotte) führt. Auch in dieser Höhle sind wichtige archäologische Fundstücke entdeckt worden und sie birgt bezaubernde Hohlräume, deren Erkundung jedoch nur geübten Höhlenforschern zu empfehlen ist.
Wenn wir uns jetzt nach links wenden steigt der Hauptpfad steil in den Wald hinauf, bis er zum “Foro degli Occhialoni” (Brillenloch) kommt, von wo aus man eine atemberaubende Aussicht auf die darunter liegende Frasassi-Schlucht hat. Dieses “Fenster” zur Schlucht hin ist das, was von der Verwitterung eines größeren Hohlraums übrig geblieben ist, von dem immer noch zahlreiche unterirdische Gänge ausgehen. Von hier aus kann man im Wald noch weiter nach links aufsteigen bis zu den “Gradoni” - in den Felsen eingemeißelte Stufen – die zu einem steil über der Schlucht befindlichen Grat führen. Dieser letzte Teil des Ausflugs wird von der Brüchigkeit des Geländes erschwert und deshalb nur erfahrenen Wanderern angeraten.

Für diesen Ausflug muss ein ganzer Tag berechnet werden. Im unteren Teil der Schlucht ist alles einfach, ohne große Anforderungen an den Wanderer. Der Aufstieg bis zum “Foro degli Occhialoni” und vor allem zu den “Gradoni” (Tritten) erfordert hingegen eine gewisse Vorsicht und Erfahrung.